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Tabakwaren, Pfeifenmacher und Zunderfabriken


Inzwischen vollkommen aus dem städtischen Wirtschaftleben Ulms verschwunden ist die Tabakindustrie.
Seinen weit zurückreichenden Ursprung hat der Tabakkonsum bei den Einwohnern in den Hauptanbaugebieten in Süd- und Nordamerika. Nach der Entdeckung des Kontinents durch die spanischen Eroberer übernahmen die Matrosen der Handelsschiffe bald die Sitte des Rauchens. Der europäischen Bevölkerung bekannt wurde das Genuss- und Rauschmittel erst später durch Soldaten während des Dreißigjährigen Krieges.

Traditionell wurde Tabak entweder geschnupft oder in der Pfeife geraucht. Kautabak war lange unter den Seeleuten beliebt und besonders in Amerika verbreitet. In Süddeutschland wurde er nur dann vermehrt konsumiert, wenn das Tabakrauchen wieder einmal verboten war.

Kubanische Zigarren waren zwar schon 18. Jahrhundert in den nordamerikanischen Kolonialgebieten bekannt, in Deutschland konnten sie sich erst im Umfeld des Vormärz und der Revolution 1848/49 durchsetzen.
Die Zigarette in der heutigen Form wurde um 1850 erfunden. Das Gebäude der ersten deutschen Zigarettenfabrik, die Yenidze, steht heute noch und gehört zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt Dresden.

Um Tabak rauchen zu können muss er zum Brennen gebracht werden. Die Geschichte des Feuer erzeugens beginnt daher mit dem Tag, als es dem Menschen gelang selbst kontrolliert Feuer zu entzünden. Eine anfangs noch gefährliche Frühform des Feuerzeugs wurde 1823 von dem deutschen Chemiker Johannes Wolfgang Döbereiner erfunden. Taschenfeuerzeuge im heutigen Sinn gibt es erst seit der Entwicklung der Cereisen-Zündung durch Carl Auer von Welsbach.
Zuverlässige und ungiftige Zündhölzer sind auch erst in dieser Zeit (um 1850) entwickelt worden. Bis dahin verwendete man Zunder, das auch in Ulmer Fabriken hergestellt wurde.

Tabak-Fabriken
Es gab in der Ulmer Region zwar Versuche Tabak anzubauen, sie scheiterten jedoch an den klimatischen Bedingungen. Trotzdem begann die Firma
→ Seipel
1768 mit der Verarbeitung von Tabak, den sie aus der Pfalz, dem Rheinland und Ungarn bezog.
→ Wechsler
(1770),
→ Bürglen
(1797) und
→ Seeger
(1803) zogen nach.

Schon diese ersten Tabak-Manufakturen suchten mechanische Energiequellen zum Schneiden (Rauchtabak), Mahlen und Stampfen (Schnupftabak) der getrockneten Blätter. Dort, wo man nicht mehr mit der menschlichen oder tierischen Arbeitskraft als Antrieb einer Mühle (Göppel) auskam musste man einen Müller mit der Arbeit beauftragen, ein Wasserrad von ihm pachten oder ein vorhandenes kaufen und umbauen. Eine neue Mühle zu bauen war nicht möglich, die alten Mühlen an der Blau waren die einzigen nutzbaren Triebwerke und deren Kapazität war schon vollständig ausgereizt. Andere Antriebe, wie Windmühlen oder Schiffsmühlen in der Donau, funktionierten in Ulm nicht, Dampfmaschinen kamen erst später auf.
Das erste Wasserrad für eine Tabakmühle wurde von Wechsler und Seipel 1774 gemeinsam in der Marner Walk angemietet. 1788 kauften sie zusammen ein Rad, das zum Kupferhammer gehört hat und bis dahin von einem Schwertschleifer genutzt wurde. In der Bochslermühle, die wie die meisten Ulmer Mühlen über 4 Räder (sog. "Gänge") verfügte, wurden zeitweise 2 Gänge als Tabakmühle verwendet. In der Loh- und der Pulvermühle dienten je 1 Gang der Tabakherstellung und selbst bis in die Söflinger Mühlen (Kächelesmühle, später Drahtzug Beck und Fraidel, später Kunstmühle Söflingen) wich man aus um an Antriebskräfte zu kommen.
Auch die Stadtverwaltung versuchte die Energieknappheit durch die Verpachtung nicht benötigten Wassers ihren →Brunnenwerken zu lindern. In einem Nebenwerk des Glockenbrunnenwerks wurde neben einer Säge auch ein Tabakrad angetrieben; das Nebenwerk am Neuthorbrunnenwerk wurde 1810 gleich als Tabakmühle errichtet.
Ab den 1860er Jahren konnten die für eine Tabakmühle nötigen geringen Antriebskräfte von Dampfmaschinen übernommen werden. 3

Die Herstellung von Tabakwaren erfolgte jedoch nicht nur in den Tabakmühlen. Wichtige Produktionschritte wurden direkt am Sitz der Manufakturen in der Innenstadt ausgeführt. Dazu gehörte das Rösten, das Sieben und das Mischen des Tabaks. Diese Arbeiten waren aber mit erheblicher Staub- und Geruchsbelästigung der Umgebung verbunden so dass es in der Nachbarschaft öfter zu Beschwerden kam.

Die vier großen Manufakturen beschäftigten 1806 noch ca. 200 Arbeiter, mussten aber bald danach viele davon entlassen weil der freie Handel der Tabakwaren nach der Eingliederung Ulms in das Königreich Württemberg stark reglementiert und besteuert worden war. Bis dahin konnte man durch den Export nach Baden, Bayern, Sachsen und der Schweiz den Hauptumsatz erlösen.1
Joh. Heinrich Seipel starb 1804. Die von seiner Frau und den Teilhabern weitergeführte Firma Seipel & Co. musste 1812 wegen Überschuldung Vergleich anmelden. Ursache für den Niedergang waren neben Währungsverlusten beim auswärtigen Handel auch eine zu geringe Eigenkapitalquote. Ca. 1820 wurde das Unternehmen an
→ Johann Christof Kispert
verkauft, der dann jedoch schon vor 1842 ebenfalls aufgeben musste.1
Vor 1830 endet auch die Geschichte der Schnupftabakfabrik Seeger, wahrscheinlich, weil der Inhaber verstorben ist.

Nach ca. 1840 teilten sich die Firmen Wechsler und Bürglen das Ulmer Tabak-Geschäft weitgehend untereinander auf bis 1881 Bürglen auch Wechsler übernahm. Vom Wohlstand dieser beiden Unternehmer zeugten bis zur Zerstörung im 2.WK deren Villen auf der Wilhelmshöhe und beim Kornhaus.

In der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts widmeten sich darüber hinaus mehrere Ulmer Kaufleute dem Tabak. Es lässt sich heute kaum noch nachvollziehen, wer sich auf den Handel beschränkte und wer darüber hinaus in kleinen Manufakturbetrieben auch Tabakprodukte herstellte. So soll der Kaufmann Johann Nachtrab, Sohn der Dorothea Seipel und Enkel des Firmengründers Joh. Heinrich Seipel, 1821 in der Langen Gasse eine Tabakfabrik betrieben haben die später ebenfalls an Kispert überging. Sein Vater, Joh. Leonhard von Nachtrab wird ebenfalls als "Tabakfabrikant" geführt, dabei dürfte es sich aber eher um die Geschäftsführung der Seipel'schen Fabrik gehandelt haben.

Anfang des 20.Jahrhunderts ging dann die Tabakverarbeitung im Ulmer Raum endgültig ihrem Ende zu.
Die letzte der vier großen Fabriken, die der Gebr. Bürglen, geriet während der Weltwirtschaftskrise zum Ende der 1920er in Schwierigkeiten und häufte Steuerschulden an. Nach Meinung der Geschäftsführung brachten neben der Notwendigkeit, Rohtabak in Devisen vorfinanzieren zu müssen, die "Tabaksteuergesetzgebung der System-Regierung" (gemeint war das Regierungssystem der Weimarer Republik) und der durch Auslandskapital verzerrte Wettbewerb mit Großkonzernen die Geschäfte zum Erliegen. Von den Schulden befreien konnte man sich nur noch durch den Verkauf der Fabrikgebäude. Die 1942/43 an die Stadt gegangenen Immobilien fielen dann weitgehend der Bombennacht vom 17. Dezember 1944 zum Opfer.3

In der Zeit des Niedergangs von Bürglen versuchten noch kleinere Zigarettenfabriken ihr Glück. Sie scheiterten aber ebenso.
Hier sticht das Schicksal der jüdischen Familie Wagowski (→"Lyra") hervor, die jedoch an anderer Stelle erzählt werden sollte.

Pfeifenmacher
Die ursprüngliche Form der Tabakspfeife kennt man heute meist aus den Indianer-Filmen z.B. als Friedenspfeife.
Mit dem Weg des Tabakkonsums von Amerika nach Europa wandelte sich die Form, das Material und die technische Ausgestaltung der Rauch-Pfeifen. Aus den den langen, dünnen Pfeifen der amerikanischen Ureinwohner wurden die heute bekannten kurzen Pfeifen mit großem Pfeifenkopf. Neben Ton, Meerschaum und Metall blieben aber verschiedene Hölzer die Grundlage der meisten Pfeifenmodelle.

Die ersten im reichsstädtischen Gebiet von Ulm niedergelassenen Pfeifenmacher sollen ab 1695 ihrem neuen Handwerk nachgegangen sein. In Geislingen (das zu Ulm gehörte) waren es bald so viele, dass sie den Antrag stellten eine eigene Zunft bilden zu dürfen, was jedoch abgelehnt wurde.
Auch in Ulm blühte dieses Gewerbe auf. Um 1800 gab es hier rund 45 Pfeifenmacher, die bald einen sehr guten Ruf genossen. In aller Welt berühmt waren die sog. Ulmer Maserholzpfeifen, bei denen der Pfeifenkopf aus ausgesuchtem Wurzelholz von z.B. Ahorn oder Walnuß hergestellt wurde.
In Söflingen wurde nach dem Berufsstand der Pfeifenmacher eine Gasse benannt, hier gab es bis zu 17 Handwerker dieses Metiers3.

Das Pfeifenmachen war kein traditionelles Handwerk, Pfeifenmacher gehörten daher keiner eigenen Zunft an sondern übten ein freies Gewerbe aus. Oft diente es als Nebenerwerb, wenn der eigentliche Beruf nicht mehr auskömmlich war. Auch unter den Ulmer Pfeifenmachern finden sich daher viele Weber oder Donau-Schiffleute.
Pfeifen wurde auch nicht ausschließlich und vollständig von den Pfeifenmachern selbst hergestellt, beteiligt waren fast immer auch Silberschmiede für die Verzierung und Drechsler für die Mundstücke und Schäfte. Dieser Arbeitsverbund führte jedoch dazu, dass es den Pfeifenmachern nicht erlaubt war, ihre Produkte direkt zu vermarkten. Das war immer den Krämern und Herstellern fertiger Produkte vorbehalten1,2.
Für die in Ulm hergestellten Maserholz-Pfeifen verwendete man das Wurzelholz verschiedener Baumsorten. Besonders dafür geeignet ist der Buchsbaum, denn neben einer gut sichtbaren Maserung war es wichtig, dass das Holz schwer brennbar ist. Der Holzbedarf für die bis zu 2500 Pfeifenköpfe, die monatlich in Ulm hergestellt wurden, konnte bald nicht mehr aus der Umgebung gedeckt werden, es wurde Maserholz aus dem Mittelmeerraum importiert und auf einem eigenen Markt in der Gräth (dem Ulmer Waaghaus) gehandelt3.

Als Begründer der Ulmer Pfeifenmacherei gilt Joh. Jakob Glöckle, ein Weber, dessen Pfeifen um 1733 auf den Markt kamen. Johannes Molfenter, ein Donau-Schiffer wie die meisten in seiner Familie, soll um 1800 besonders vorzügliche Pfeifenköpfe hergestellt haben, die auch nach Norddeutschland, Italien und der Schweiz exportiert wurden.
Zum Ende der reichsstädtischen Zeit waren dann über 100 Beschäftigte in diesem Handwerk tätig. 1829 versuchten die
→ Gebr. Leibinger
ihren Betrieb als Fabrik zuzulassen. Dort waren 23 Gesellen und 15 Heimarbeiter angestellt. Fünf weitere Männer gingen "ins Holz", suchten also in den Wäldern die schönsten Wurzeln und Holzstücke. In der Fabrik sollten auch die Silberbeschläge für die Pfeifen hergestellt werden. Dagegen protestrierten die selbstständigen Silberschmiede. Der Antrag wurde daher von der Stadt zwar abgelehnt, durch die nun zuständige Regierung des Donaukreises dann aber doch genehmigt1,2.

Die bis zur Mitte des 19.Jahrhunderts in Ulm produzierten Pfeifen wurden vor allem nach Österreich, die Schweiz, nach Baden und nach Bayern exportiert. Mit Aufkommen von Pfeifenköpfen aus Meißner Porzellan in den 1830er Jahren verlor das Gewerbe seine Bedeutung und verschwand noch vor Ende des 19.Jh. ganz.1,2

Ulmer Maserholzpfeifen sind inzwischen gesuchte Sammlerobjekte, deren Geschichte ist umfassend dokumentiert (s.u.).

Zundelmacher
Zwar nicht direkt zur Genussmittel-Branche aber doch in das Umfeld der Tabakwarenindustrie und der Pfeifenmacher gehören die Zunder-Hersteller, von denen es in Ulm um 1810 vier selbstständige Betriebe mit 9 Beschäftigten gegeben hat.1 1836 listet das Ulmer Adressbuch sogar schon 11 "Zunderfabriken" auf.
Diese Betriebe darf man jedoch nicht mit den heutigen Vorstellungen von eine Fabrik verbinden. Sie glichen vielmehr den zur gleichen Zeit aufblühenden Tabakfabriken, die in Form von Manufakturen geführt wurden. Bei den Zunderfabriken wird die für frühkapitalistische Unternehmen typische Trennung der Arbeitskraft vom Besitz der Produktionsmittel sogar noch deutlicher.

Zunder war bis in die späte Mitte des 19.Jahrhunderts das allgegenwärtige Mittel der Wahl um Feuer zu entzünden. Jeder Raucher, zumindest jeder Haushalt, hatte eine Zunderdose, die neben dem Zundermaterial einen Feuerstein und ein Feuerstahl enthielten. Durch das Aufeinanderschlagen von Stein und Stahl wurde ein Funken erzeugt, der den Zunder zum Glimmen brachte. Daran konnte dann das eigentliche Brennmaterial entzündet werden. Bewährte Zundermaterialien waren neben den oft in Buchenwäldern vorkommenden Feuerschwämmen (Pilze der Gattung Fomes fomentarius) auch verschwelte Stoffreste aus Leinen oder Baumwolle.
Es kann vermutet werden, dass die größeren Mengen unverkäuflicher Stoffballen, die durch den Niedergang der Ulmer Leinen- und Barchentweberei zum Ende der reichsstädtischen Zeit angefallen sind, wesentlich zur verhältnismäßig hohen Zahl an Zunderherstellern am Ort beigetragen haben.

Durch Flachklopfen des Pilzes zu dünnen Lappen, durch Einlegen des Zundermaterials in Salpeter und Einreiben mit Schießpulver konnte die Zündfähigkeit des Zunders noch gesteigert werden. Das Säubern der Pilze von anhaftender Baumrinde und von nicht brennbaren Teilen, das Zerteilen der Stoffreste und das Einlegen in die Laugenfässer sowie das spätere Ausklopfen und Weichreiben des Zunders waren Arbeiten, die auch von ungelernten Arbeiterinnen verrichtet werden konnten.
Die Kompetenz eines Zundelmachers konzentierte sich dagegen auf das Wissen um die genaue Zusammensetzung der Lauge und die richtige Abfolge der Arbeitsschritte. Die speziellen Kenntnisse im Umgang mit Zunder konnte man u.a. durch eine entsprechende Tätigkeit während seiner Militärzeit erwerben. Eine Meister- oder Gesellenprüfung und einen Zunftzwang gab es in diesem Gewerbe ncht. Zundelmacher rekrutierten sich daher oft unter ehemaligen Soldaten, arbeitslos gewordenen Webern oder Taglöhnern.

Als Angehörige einer Unterschicht fehlte ihnen aber oftmals das Geld, um ihr Gewerbe, das auf Massenproduktion ausgelegt ist, wirtschaftlich zu betreiben. Das Ausgangsmaterial für den Zunder musste vorfinanziert werden, der Salpeter und das Schwarzpulver waren einzukaufen und es waren Arbeitskräfte zu bezahlen, wenn die Produktion einen einträglichen Umfang erreichen sollte.
Das dafür notwendige Kapital fand sich in der Ulmer Kaufmannschaft, denn mit Zunder waren durchaus gute Gewinne zu erzielen. Die Partnerschaften zwischen Zundelmachern und Kaufleuten waren dauerhaft und wohl für beide Seiten gewinnbringend, wie die Geschichten der Firmen
→Daniel Müller
und
→Gottlieb Diem
sowie der Familien
→Kölle
/ Rueff und
→Ludwig Scheiffele
zeigen.

Nachdem der Kaufmann Daniel Müller das Haus des Zundermachers Nikolaus Junginger gekauft hatte überliess er für Jahrzehnte den Betrieb der Fabrik dem zugewanderten Zundelmacher Gottlieb Diem. Auch Karl Rueff, Schwiegersohn des Kaufmanns Thomas Kölle, überließ die Fabrikgeschäfte zuerst dem Zundelmacher Ludwig Scheiffele und nach dessen altersbedingtem Ausscheiden dem Zundelmacher Friedrich Blersch.
Trotzt ihrer unterbürgerlichen Herkunft und der Abhängigkeit von den Kapitalgebern mussten sich diese Handwerker nicht mit dem Status eines abhängig Beschäftigten zufrieden geben. Sie zählten, wie die Einträge in den Ulmer Adressbüchern zeigen, gleichberechtigt mit ihren Geschäftspartnern zu den "Fabrikanten".
Anderen, wie
→Friedrich Fries
und
→Matthäus Kutter
, gelang es, aus eigenen Mitteln und Bestreben erfolgreich zu werden oder zumindest einige Jahre wirtschaftlich zu überleben.
Auch wenn manche dieser Betriebe selbst aus damaliger Sicht unbedeutend erscheinen trugen sie doch gemäß der Gewerbeordnung von 1828 den Titel "Zunderfabrik".

Zentrum der Ulmer Zundelherstellung waren die nördlichen Stadtgräben, insbesonders der Bereich um den Seelengraben. Das Zundeltor weist heute noch auf dieses frühindustrielle Gewerbe hin.

Mit der Erfindung der Schwelfelhölzer und vorallem später der industriell gefertigten Zündhölzer verloren die Zunderfabriken Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Bedeutung. Mit der vollautomatischen Fertigung durch den ersten, 1896 konstruierten Zündholzautomaten, konnten die von Handarbeit geprägten Ulmer Betriebe trotzt der Beschäftigung von billigeren Frauen und Kindern nicht mehr mithalten.
Auch die teilweise aus den Zunderfabriken hervor gegangenen vier Ulmer Zündholzfabriken, z.B.
→Kuhn
und
→Gottfried Straub
, konnten das für die weitere Automatisierung notwendige enorme Kapital nicht mehr aufbringen und mussten ihren Betrieb schon in der zweiten Hälfte des 19. Jh. einstellen.1,2
Zundeltor um 1900


Quellen:
1: Wolfgang Merkle - Gewerbe und Handel der Stadt Ulm am Übergang der Reichsstadt an Bayern im Jahre 1802 und an das Königreich Württemberg im Jahre 1810
2: Hans Eugen Specker - Ulm im 19.Jahrhundert, S. 113
3: Albert Haug - "Tabak-Mühlen" - Anfänge und Geschichte der Ulmer Tabakindustrie, in: Ulm und Oberschwaben Bd. 53/54, Stadtarchiv Ulm 2007
alle anderen Daten: Stadtarchiv Ulm, Adressbuch 1812 - 1939



Firmenliste Tabakwarenfabriken


Firmenliste Pfeifenmacher


Firmenliste Zunder- und Zündholzfabriken


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