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Holz, Stein und Chemie


Torf, Ton und Ziegeleien

Weitgehend in Vergessenheit geraten ist ein Industriezweig, der in Ulm lange Zeit nicht unbedeutend für das Wirtschaftsleben war, der Abbau von Torf für Heizzwecke und der von Ton zur Produktion von Ziegel.

Mit dem Torf aus den lokalen Vorkommen im Donauried und in Oberschwaben wurden bis Mitte des 19.Jahrhunderts viele Häuser in der Stadt aber auch die Kessel der Gerber und der Brauereien beheizt. Torfstiche gab es laut einer Oberamtsbeschreibung von 1836 in Ulm, Einsingen (Göcklinger Ried), Ehrenstein, Söflingen, Langenau, Rammingen, Asselfingen und Stotzingen.
Mit dem Torfabbau bei Gögglingen wurde 1617 begonnen. Er endete Anfang des 19.Jahrhunderts nachdem die meisten Vorkommen ausgebeutet waren.
Der Torf wurde in Form von Backsteinen gestochen, getrocknet und körbeweise zu ca. 25-30 Stück auf dem Markt verkauft.
1744 versuchten die Ulmer Schmiede Torf zu verkohlen, 1822 scheiterte man in Langenau mit dem Versuch der Verschwelung zu Teer. Beides scheint zwar technisch funktioniert zu haben, den Einsatz der Produkte bzw. deren Vermarktung verhinderte dann aber wohl der damit verbundene üble Geruch.
Torf hat als Heizmaterial schon längst ausgedient. Durch den Bau der Eisenbahn konnte ab Mitte des 19.Jahrhunderts auf die viel günstigere Kohle umgestiegen werden. Die Unternehmen, die Torfabbau betrieben, haben in der Ulmer Region nie ein industrielles Niveau erreicht.

An einzelne geschichtliche Aspekte des frühindustriellen Torfabbaus wird zwar hin und wieder durch Vorträge erinnert. So wurde z.B. 2019 im Rahmen des Abend der Technikgeschichte von Prof. Künzel der Torfabbau im Donauried bei Ulm vorgestellt. Diese Abhandlung wurden aber leider nicht veröffentlicht, so dass eine Literatur zu diesem Thema nur spärlich vorhanden und kaum bekannt ist.
Auf ein Werk soll hier jedoch noch hingewiesen werden: Lesenswert ist auch der Beitrag von Martin Eckoldt: Torfschiffahrtskanäle im Donauried bei Ulm im 17. und 18. Jahrhundert.
→ download aus dem Open Access Repository SSOAR

Ziegel wurden in großen Mengen für den Bau des Münsters und der Bundesfestung benötigt. Dazu betrieb die Stadt schon seit dem Mittelalter eine eigene Ziegelei am unteren Galgenberg. Ermöglicht wurde die Ziegelherstellung durch eine ergiebige Lehmdecke auf der Donauschotterterrasse am Fuß des Galgenbergs. Auch die Öfen dort wurden teilweise mit Torf aus dem nahen Gögglinger Ried befeuert.
Diese städtische Ziegelei, schon 1580 als Ziegelstadel beim Fürstenegger Hof erwähnt, war an einen Ziegelmeister verpachtet, der zahlreiche Arbeiter beschäftigte, darunter auch Kinder. Es wurden nur drei Typen von Ziegel hergestellt, Kaminsteine, Backsteine und Dachziegel, die aber in großer Zahl. Alle drei Produkte waren in ihren Maßen normiert und wurden streng kontrolliert. Nach 1859 scheint der Ziegelstadel nur noch als Ausflugslokal genutzt worden sein. Mittlerweile hatten sich aber in seiner Nähe auch schon weitere Betriebe dieser Branche angesiedelt wobei sich die Firma Hillenbrand durch den Zukauf anderer Ziegeleien zum Anfang des 20.Jahrhunderts zum lokalen Marktführer entwickelte.
Geeignete Tonvorkommen erlaubten auch am Roten Berg eine Ansiedlung einer Ziegelei.
Nachdem die Ton- und Lehmgruben weitgehend erschöpft waren musste die Ziegelproduktion noch vor dem 1.WK in Ulm eingestellt werden.1

Ziegeleien gab es ausser am Galgenberg und in Söflingen auch in Jungingen, Unterkirchberg, Humlangen, Langenau, Söglingen bei Altheim (Alb) und in Oberstotzingen.

Einen allgemeinen Einstieg in das Thema Ziegelproduktion und einen Überblick über die archivalisch belegten Ziegeleistandorte in Ulm erhällt man im Exzerpt zur Masterarbeit von Claudia Eckstein:
Das Ulmer Münster - Bauforschung zum spätgotischen Backsteinbau im westlichen Donauraum.
→ TEIL I – DAS SPÄTMITTELALTERLICHE ZIEGELEIWESEN DER STADT ULM (Otto-Friedrich-Universität Bamberg Institut für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte Professur für Bauforschung und Baugeschichte, 2014)
Die Geschichte der Ulmer Ziegeleien haben Albert Haug und Frieder Hillenbrand in einer Arbeit für das ZAWiW über die Industriekultur in Ulm zusammengefasst. → Literaturliste Wirtschaftsgeschichte

Von den Betrieben, die diese beiden Naturprodukte verarbeitet haben, hat keine bis heute überlebt. Selbst der aus Neu-Ulm stammende und weltweit tätige Hersteller von Maschinen für die Ziegelproduktion, die Firma Lingl, musste 2020 Insolvenz anmelden.

Quellen:
1: Albert Haug, Frieder Hillenbrand - Baumaterial aus Ulm: Ziegel und Zement, erschienen in "Industriekultur in Ulm bis zum Zweiten Weltkrieg", ZAWiW 2001
alle anderen Daten: Stadtarchiv Ulm, Adressbuch 1812 - 1939


Firmenliste Ton, Torf und Ziegeleien



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