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Wasser für Jedermann

Wo ausreichend frisches Wasser vorhanden ist haben sich Menschen schon immer gerne angesiedelt.
In Ulm fließen nicht nur drei Flüsse zusammen, das Grundwasser steht hier so hoch, dass der Wasserbedarf der Stadt über Jahrhunderte hinweg aus Hausbrunnen gedeckt werden konnte. Mit der Ausdehnung der Stadt im Mittelalter wurden die öffentlichen Brunnen, wegen ihrer Form Röhrenkästen genannt, durch Brunnenwerke ergänzt, die mit Hilfe von über Wasserräder angetriebenen Pumpen das Wasser aus größerer Tiefe förderten und in ein zur damaligen Zeit vorbildliches unterirdisches Leitungsnetz aus zumeist hölzernen Rohren einspeisten.

Diese 5 Brunnenwerke an der nördlichen Stadtmauer mussten sich die Kraft eines Blauarmes mit einer Reihe von Mühlen teilen, konnten dann aber Mitte des 19. Jahrhunderts den immer weiter steigenden Bedarf nicht mehr decken. Zu einem Großteil auch, weil deren Instandhaltung und Wartung lange vernachlässigt wurde. Mit dem Entschluß, die Ulmer Wasserversorgung grundlegend zu modernisieren und abzusichern ging auch die Entscheidung einher neue Quellen ausserhalb der Stadt zu nutzen. 1873 wurde dazu die Weiherbachquelle bei Herrlingen an das stadtische Netz angeschlossen, 1888 folgte der "Kalte Brunnen" im kleinen Lautertal. Vom zentralen Sammler beim Gaswerk in der Neuthorstraße wurde dann dieses Wasser mittels einer dampfgetriebenen Pumpe in den Hochbehälter am Michelsberg befördert und von dort weiter in der Stadt verteilt. 1

Aber auch diese Quellen, teilweise durch Fahrlässigkeit vorzeitig verschmutzt und unbrauchbar gemacht, genügten Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr. Neue Grundwasservorkommen am Zusammenfluß von Iller und Donau mussten erschlossen werden. 1905 ging dazu das Pumpwerk "Rote Wand" in Betrieb. Deren elektrisch angetriebene Pumpen bekamen ihren Strom aus dem direkt daneben errichteten Wasserkraftwerk Wiblingen. Der Grundwasserzustrom reicht bis heute aus, um ein Großteil der Stadt mit Trinkwasser zu versorgen. Zur weiteren Absicherung und zur Versorgung der auf dem Eselsberg gelegenen Universität ist das Ulmer Leitungsnetzt seit 1970 mit der Fernwasserversorgung des Zweckverbandes Landeswasserversorgung verbunden. 2

Neu-Ulm versorgte sich bis 1899 über Einzelbrunnen mit Trinkwasser. Der in diesem Jahr der Statik und Ersparnis wegen auf einem Pulvermagazin der Bundesfestung aufgesetzte Wasserturm erhielt das Grundwasser aus zwei Saugwasserbrunnen über eine elektrische Pumpe. Er wurde 1964/65 vom Pumpwerk Illeraue abgelöst und ist heute ein Wahrzeichen der Stadt.
Die Städte Ulm und Neu-Ulm betreiben, obwohl in unterschiedlichen Bundesländer gelegen, seit 1983 gemeinsame Stadtwerke. Die Wasserwerke Rote Wand und Illeraue sind seit 1991 leitungsmäßig miteinander verbunden. 2

Anders war die Wasser-Situation auf der Alb-Hochfläche. Der dort vorherrschende Boden und die Gesteinsschichten führen dazu, dass Niederschläge schnell versickern. Wasser war hier immer ein rares Gut. Dem versuchte man durch Hülen, Dachbrunnen und Zisternen abzuhelfen, die Wasserqualität war jedoch meist so schlecht, dass es kaum fürs Vieh taugte. Der Bau der Albwasserversorgung ab 1870, die auf eine Planung von Karl Ehmann zurück geht, brachte dann genießbares Wasser für Jedermann auch in diesen Winkel des Ulmer Raums.

Dem Thema Wasser widmet sich ein ganzes Teilprojekt der → Ulmer Geschichte im Netz - Wasser in der Stadt

Wo Wasser verwendet und verschmutz wird entsteht Abwasser, das entsorgt werden muss. Auch dieser oft anrüchige Aspekt der städtischen Infrastruktur wurde in seiner historischen Entwicklung von Prof. Albert Haug schon untersucht und in seinem Buch "Von der Kloake zur Kanalisation" ausführlich dokumentiert.


Quellen:
1: Max Kromer - Wasser in jedwedes Bürgers Haus
2: Albert Haug, Uwe Schmidt - Teichel, Brunnen, Pumpen

Wander-Tipp

Albwasser-Tour Schmiechtal

Eine der vorgestellten → Wanderungen u. Radtouren führt auf einem 11,5 km langen Rundweg zu technikgeschichtlich interessanten Objekten der Albwasserversorung.




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